Freier Bericht der UWV-Internetredaktion


09.11.2013 - Autor: Peter Lorenz Könen

Der Gleisdurchstich

Im Jahre 1989 fiel die innerdeutsche Grenze und vereinte Ost und West. Ein weltbewegendes Ereignis.

Ein nicht ganz so großes Ereignis fand am 31.Oktober 2013 in Mechernich in der Nordeifel statt. Die seit 1865 bestehende Trennung des Kernortes Mechernich wurde nach 148 Jahren beendet. Am 31.Oktober 2013 wurde der vor Ort gegossene Straßentunnel 50m weit unter die demontierten Gleise geschoben. Mechernichs Hälften wurden vereint.

In den ersten Dekaden der Eisenbahn erfreute man sich der Anbindung an die Großstadt Köln. Bedeutete doch vor dieser Zeit eine Fahrt nach Köln mit der Kutsche eine Anstrengung von 8-10 Stunden über holprige Wege. Endlich konnten auch Mechernicher „bequem“ und in kurzer Zeit nach Köln reisen. Der hiesige Bergbau konnte preiswert sein Blei versenden und im Gegenzug preiswert Koks bekommen.

Doch im 20igsten Jahrhundert wurden vermehrt Stimmen laut, die gegen diese Teilung wetterten. In der Schule, Ende der Fünfziger, im letzten Jahrhundert, wurde noch ein wenig auf die Herkunft der Schüler aus den beiden Ortshälften gesehen. Die vom Bahnhof aus gesehene linke Seite wurden die Schüler als die intelligenteren und die aus gleicher Blickrichtung gesehene rechte Seite als dumme Schüler bezeichnet. Der Irrglaube rührte wohl daher, das die höhere Bürgerschaft, sei es Mediziner, Geistliche und honorable Persönlichkeiten die linke Seite als den besseren Wohnort bevorzugten, während ein Großteil der Bergarbeiter in den Bergarbeitersiedlungen Bergstraße, Rosengraben und Günnersdorferstraße wohnten. Zum Glück verschwand diese irrige Ansicht in den sechziger Jahren.

In den 80iger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde der Vorschlag, die Bahn tiefer zu legen, diskutiert. Jedoch wurde dieser Gedanke aus Kostengründen verworfen.

Der geistige Vater der heutigen Planstellung ist der im Januar 2010 verstorbene Ratsherr Winfried Simons, dessen Vorschlag in den Neunziger die Mehrheit im Stadtrat fand.

Am 31.Oktober 2013 war es dann soweit. Der im genannten Jahr gegossene Straßentunnel aus Stahlbeton wurde Punkt 8 Uhr verschoben. Zuvor waren die Gleise auf eine Länge von 90m entfernt und eine Baugrube ausgehoben worden. Nach 25 Minuten hatte der Stahlbeton seine endgültige Position erreicht.

Jetzt noch schnell die Baugrube um den Tunnel verfüllen und die Gleisanlage wieder herstellen, und schon kann der nächste Bauabschnitt in Angriff genommen werden.